Treffpunkt engagieren

Senior als Entwicklungshelfer

Die Überschrift betrifft nicht mich selber, sondern Richard Fetzner, der mein Reisebegleiter auf einer Gruppenreise nach Äthiopien im Nov. 2011 war....

.....Wodurch zeichnet er sich aus? Richard hat zeitlebens bei den Karlsruher Stadtwerken im Bereich Wärmetechnik / Fernheizungen gewirkt. Als Rentner setzt er sich nicht nur in den Sessel, vielmehr wurde er praktisch aktiv, um energieeffiziente Kochgeräte für afrikanische Familien zu entwickeln und dort vorzuführen.

Beim Flug von Stuttgart über Istanbul nach Addis Abeba hatte Richard seine Blechkomponenten eines Energiesparkochers im Koffer verstaut und musste an jeder Scannstation in den Flughäfen seine metallenen Teile zeigen und erläutern, wofür sie gedacht sind.  Er durfte jeweils weiter reisen und hat dann in der nordäthiopischen Stadt Gondar erstmals der Reisegruppe seinen Energiesparkocher vorgeführt. Einige Kontakte mit dem Thema Energiesparkocher ergaben sich noch während der Reise, jedoch entwickelten sich keine konkreten Handlungen danach in Äthiopien. Vor allem die afrikanischen Familien auf dem Land kochen vielfach noch mit dem Holzfeuer und dem Topf, der darüber auf drei Steinen steht. Der Bedarf an Holz oder Holzkohle ist so dreimal höher als mit einem Energiesparkocher.

Richard berichtete mir nach der Äthiopienreise von einer Gruppe in seiner Kirchengemeinde, die seit Jahrzehnten in Uganda direkte Entwicklungshilfen leistete und zum Beispiel Werkstätten mit Maschinen eingerichtet hatte. Richard bereitete wieder einige Bausätze für Energiesparkocher vor und schloss sich im September 2012  der Reisegruppe des Vereins Projekthilfe Uganda e.V. an. Im Dorf Kyamulibwa wirkte er 3 Wochen und konnte  mit Interessierten einige Energiesparkocher aufbauen. Ganz entscheidend empfand ich die Durchführung eines Vergleichtests zwischen Energiesparkochern, einem Holzkohlekocher und dem 3-Steine Feuer mit ausgewählten Frauen aus dem Dorf. Es konnte die erwartete Einsparung der benötigten Holzmenge mit den Energiesparkochern demonstriert werden. Bei der herrschenden Armut stehen  die erforderlichen Kosten sehr im Vordergrund. Kann sich eine Familie  einen Energiesparkocher für z.B. 15 Euro auch leisten? Richard Fetzner will mit seinem Wirken Anleitung und Hilfe zur Selbsthilfe geben, idealerweise sollen Kooperativen vor Ort  solche Energiesparkocher herstellen und vertreiben. Ist diese Saat schon aufgegangen? Er weiß es nicht. Aber Richard Fetzner hat schon einen weiteren Kontakt:  er bereitet sich auf ein Kocherprojekt 2013 in Burundi vor. Er bat mich, doch mit zu kommen und ihn in vielerlei Hinsicht, auch mit Englisch und Französich, zu unterstützen. 

Die Reise nach Burundi kam mangels geeigneter Projektpartner vor Ort nicht zustande. In der Stuttgarter Zeitung 29.6.2013 wurde berichtet, dass die Vereinten Nationen das Thema saubere Kochherde diskutierten und bis 2020 weltweit 100 Millionen Haushalten Zugang zu verbesserten Kochherden ermöglicht werden soll.  Richard kämpft für seine Ideen und sähe gerne mehr Erfolg. Da die Energiesparkocher keine besonders komplizierten Geräte sind, sei mir die Frage erlaubt, ob die zu geringe Eigeninitiative vor allem in Afrika eine mögliche und wichtige Entwicklung verhindern?