Thema: Glauben Männer anders?
Die Männer im Alter kommen nicht von allein zur Kirche zurück. Auch ältere Männer wollen sich nicht in die Rolle des Hilfsbedürftigen begeben, sondern suchen - wenn überhaupt - auch in der Kirche den Kontakt auf Augenhöhe
„Wir sind immer in der Minderheit. Männer in der Kirche“ lautete vor einiger Zeit ein Feature des Norddeutschen Rundfunks (NDR). Was der Redakteur mit dem Beitrag zum Ausdruck bringen wollte, ist im Gemeindealltag mit Händen zu greifen: Männer machen sich im Alltag der Gemeinde rar, nehmen sich in Glaubenssachen zurück und verhalten sich gegenüber der Kirche distanzierter als Frauen. Während sie in Fragen des Berufs, der Politik, der Organisation des Alltags sprachfähig sind, bleiben sie in einer nicht eingestandenen Weise stumm, wenn es um Religion und Glauben geht.
Einige Zahlen und Daten mögen das belegen: Es gibt in den Kirchen wesentlich mehr Frauenkreise als Männergruppen. Nur etwa jeder dritte Besucher einer kirchlichen Ver-anstaltung ist ein Mann; in den Besuchsdienst- und Seniorengruppen, den Bibel- und Gesprächskreisen sind Männer nur vereinzelt zu finden. Sie verhalten sich distanzierter gegenüber der Institution Kirche, fühlen sich mit ihrer Kirche auch weniger verbunden und begegnen den Repräsentanten der Kirche kritischer. Dies alles legt die Vermutung nahe: Kirche und Glaube scheint für ihren Alltag unwichtig zu sein.
Was hier für Männer festgestellt wurde, muss nicht in gleicher Weise für ältere Männer gelten. Wer genau hinsieht, wird differenzieren. Bei den Wiedereintrittsstellen z. B. ist zu beobachten, dass es die Älteren sind, die wieder neu die Nähe zur Kirche suchen. Auch das wiederentdeckte Pilgern spricht vor allem Männer über 50 an. Dies und an-deres mehr deutet darauf hin, dass sich mit dem Alter auch bei Männern die Sinnfrage mehr Gehör verschafft. Mit dem Übergang in das dritte Lebensalter werden Fragen nach dem Wohin und Wozu virulent. Wenn der Beruf nicht mehr Mittelpunkt des Le-bens und Sinnstifter ist, wächst die Offenheit für religiöse Fragen.
Es wäre allerdings ein Trugschluss zu glauben, die Männer kämen im Alter von allein zur Kirche zurück. Auch ältere Männer wollen sich nicht als in die Rolle des Hilfebedürf-tigen begeben, sondern suchen – wenn überhaupt – auch in der Kirche den Kontakt auf Augenhöhe. Viele sind bereit, mit zu arbeiten, wenn sie für konkrete Vorhaben an-gesprochen werden und ihre Kompetenz und Fähigkeiten gefragt sind. Auch suchen ältere Männer weniger die Beheimatung im „Schoß von Mutter Kirche“ als vielmehr eine sinnvolle, verantwortliche Aufgabe. Verkündigung und Seelsorge von Männern geschieht eher im Vollzug des alltäglichen Miteinanders.
Fragen:
Warum gehen viele Männer zur Kirche auf Distanz?
Was muss die Kirchengemeinde tun, um für ältere Männer attraktiv zu sein?
Welche Erwartungen haben ältere Männer an die Kirche?
Gibt es Glaubensthemen, die ältere Männer in besonderer Weise ansprechen?
(eingestellt am: 17.10.2008)
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4 Kommentare zum Beitrag
In unserer gemeinde laufen zwei Projekte recht erfolgreich:
Männerfrühstück
Coq au Vin - Männer kochen bei Kirchens
Lieben Gruß,
Jens Both
Lieber Herr Kruse, ich denke eine der Ursachen für das geringere interesse von Männern an Dingen, die den Glauben und die Kirche betreffen, ist eine stark ausgeprägte Neigung, Dinge rational zu betrachten. Etwas einfach zu glauben, ist dann schwierig, inbesonders wenn es sich um mögliche Widersprüche zu den eigenen Vorstellungen und Erfahrungen handelt.
Hier wären konkrete Projekte hilfreich, in die eigene Kenntnisse eingebracht werden können.
Hallo Herr Kruse,
welche Projekte sprechen Ihrer Meinung nach Männer an?
Hallo Herr Kruse,
ihr Beitrag hat mir sehr gefallen. Mir war die Problematik in der Form nicht bewusst.
Ich freue mich auf weitere Beiträge von Ihnen.
Ihre
Web-Perle