Heute sind es nicht so sehr materielle Geschenke, die unsere Enkel brauchen, sondern ZEIT liebevoller Zuwendung in GEMEINSAMEM TUN
Schon einige Jahre dürfen meine Frau und ich die beglückende Erfahrung des Großeltern- Status machen. Nachdem es in der Generation unserer Kinder lauter Mädchen waren, (zwei Töchter mit ihren vier Cousinen) freut sich der Großvater jetzt natürlich besonders über die beiden EnkelSÖHNE (mit ihren zwei, bald drei Cousins).
Leonardo (8) und Pietro (5) leben in einem umgebauten Bauernhaus in der Nordtoskana, wo ihr Vater im Nationalpark Casentino arbeitet, also im Umfeld von Wald, Gebirge und jungem Arno-Fluss!
Für die Kinder, die beide schon ganz gut Deutsch sprechen (Ermahnung der Tochter: "Papa, sprich deutsch mit ihnen!"), ergab sich gleich die richtige Einteilung:
Gegenüber dem NONNO und der NONNA in Pisa sind wir OPA und OMA, und da sich diese beiden Großelternpaare gut verstehen, gab es auch kein (mir aus eigener Kinderzeit noch unliebsam in Erinnerung gebliebenes) Konkurrenzgerangel um die Enkel.
Die kleine Segelyacht im Golf von Livorno, Play-Station und Computer-Spiele, sowie jede Menge der in Italien furchtbar beliebten bunten Plastik-Spielzeug-Geschenke überlasse ich getrost 'den Italienern' und biete dafür das an, was mir selber schon in meiner Kinderzeit Freude gemacht hat:
Beim Zubett-Bringen im Opa-Dienst etwa das frei (mit Gebärden und verstellten Stimmen) dramatisierte ostpreußische Märchen vom Fuchs und vom Wolf , - das zu ganz besonderen Gelegenheiten schon mein Vater uns Kindern erzählt hatte.
Bald brauchte ich nicht mehr zu fragen: Soll ich etwas vorlesen oder erzählen? - da kam auch schon der Zwischenruf: „Opa - vom Fuchs und vom Wolf!“ (Kinder lieben Wiederholungen, - aber sie passen auch unwahrscheinlich genau auf, wenn man sich dabei Abweichungen oder Varianten erlaubt!)
Ein bisschen Ballgeplänkel auf dem Wiesenstück vor dem Haus mit Wechsel zwischen Spieler und Torwart führte schließlich dazu, dass zuerst der ältere und jetzt auch der jüngere Enkel im örtlichen Verein beim Kinder- und Jugendtraining mitmacht.
Zu einer besonderen Attraktion wurde bald das Übernachten in unserem nur eine halbe Autostunde entfernten Ferienhäuschen am Waldrand über einem Tal mit Nebenfluss gelegen:
Die Ausflüge (mit Stock und in Stiefeln) in den von mir phantasievoll ausgeschmückten ‚Räuber'- oder 'Hexen'-Wald; das Baden, Schwimmen und Tauchen im kalten Flusswasser, wo man eine selbstgebaute Wassermühle erproben, Krebse oder besonders interessante Steine finden kann;
und nicht zuletzt: Statt Pasta einmal Kartoffelpuree mit Wiener Würstchen oder Eierpfannekuchen mit Brombeermarmelade zum Mittagessen!
Eines aber nimmt für die beiden Buben inzwischen schon eine Sonderstellung ein, und das freut den aus Handwerkerfamilien stammenden Opa natürlich auch:
Jenes hobbymäßige Werken und Basteln, um mit den eigenen Händen etwas Praktisches und Nützliches hervorzubringen: ein kleines Schmuckkästchen für Mamas Geburtstag, einen Kaninchenstall aus alten Holzpaletten mit wieder gerade geklopften Nägeln, und jetzt eben die - für Jungen in diesem Alter so wichtige- Hütte aus Holz, in die man sich zurückziehen und sich in einen Indianer, Räuber oder einen Piraten verwandeln kann.
Vor diesem Hintergrund ereignete sich auch die kleine Episode zum Titel dieses Beitrags.
Da jüngere Brüder nicht selten genau dasselbe tun/spielen/haben wollen, was die älteren gerade vorhaben und es dann natürlich Streit gibt, sagte meine Tochter an einem Nachmittag zu mir: "So, Papa, ich nehme jetzt den Pietro mit zum Einkaufen; dann könnt ihr Beiden mal ungestört machen, was Euch Spaß macht!"
Als wir dann allein auf der Eingangstreppe saßen, fragte ich:
"Also Leonardo, was sollen wir denn jetzt aus unserer freien Zeit machen? Was schlägst Du vor?" - Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen:
"OPA - ARBEITEN!"
Und um mir zu zeigen, was er dabei im Sinn hatte, holte er ein Holzkästchen herbei, bei dem er schon damit begonnen hatte, an der Öffnung kleine Rundhölzchen mit U-Krampen festzunageln, um so einen Käfig zu bauen.
Den haben wir dann in aller Ruhe gemeinsam fertig gebaut.
(eingestellt am: 02.10.2009)