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Thema: Gemeinschaftliche Wohnformen

LebensTräume


Chris
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Eine Entscheidung, wie wir im Alter leben und wohnen wollen, fällt vielen Menschen schwer. Zu groß ist die Zahl der möglichen Wohnformen, und zu wenig wissen wir darüber. Besser kennen wir schon unsere Wünsche an das Leben im Alter. Der Beitrag versucht, eine Entscheidungshilfe anzubieten und geht dabei nicht von den verschiedenen Modellen, sondern von den Wünschen der Betroffenen aus.


Meine Frau und ich befassen uns seit fünfzehn Jahren mit gemeinschaftlichen Wohnformen. Wir haben versucht, Menschen zu finden, mit denen wir zusammen ein Projekt planen und bauen könnten, haben viele Projekte in Deutschland und im benachbarten Ausland angeschaut, und 1998 haben wir zusammen mit Gleichgesinnten einen Verein für gemeinschaftliches Wohnen im Alter in Tübingen gegründet. Es ist uns aber schließlich nicht gelungen, eine Gruppe zu finden, die zusammen etwas Neues wagen wollte.

Vor fünf Jahren trafen wir auf die Stiftung Liebenau, die in Oberschwaben zu Hause ist und in unserer Stadt Böblingen ihre zwanzigste gemeinschaftliche Wohnanlage plante. Da griffen wir zu, kauften etwas "von der Stange" und sind bis heute der Ansicht, einen guten Kompromiss gefunden zu haben, der uns auch nach dem Einzug noch genügend Gestaltungsspielraum für die Entwicklung einer Gemeinschaft erlaubt.

Erst nachdem wir nun seit mehr als drei Jahren in der neuen Anlage wohnen, wurde uns klar, dass es mehr als ein Kompromiss ist, den wir hier gefunden hatten. Die "Lebensräume" haben sich nämlich aus allen möglichen bekannten Wohnformen sozusagen die Rosinen herausgepickt.

Ich möchte einmal drei unserer wichtigsten Wünsche und Träume mit drei real verfügbaren Wohnformen vergleichen. Der erste Wunsch, sein Leben selbst gestalten zu können, ist weitgehend in der vertrauten Umgebung des bisherigen Zuhauses erfüllbar. Der zweite Wunsch nach Gemeinschaftlichkeit ist in der reinen Form des Gemeinschaftlichen Wohnens wiederzufinden, bei dem eine Gruppe vom Zeitpunkt der Planung an alles selbst und gemeinsam in die Hand nimmt. Und der sehr begründete dritte Wunsch nach Sicherheit, insbesondere bei unvorhersehbaren Schicksalsschlägen, erscheint vielen Menschen in der Form des Betreuten Wohnens erfüllt. Diese Überlegungen habe ich versucht, im beiliegenden Bild darzustellen. Die Wölkchen stellen darin die Wünsche dar, die blau geschriebenen Zeilen die realen Wohnformen.

Bei genauerem Hinsehen zeigen aber alle Wohnformen auch gravierende Stolpersteine, weil eben keine Wohnform alle Wünsche maximal erfüllen kann. Das Wohnenbleiben zu Hause birgt, nachdem man einen eventuellen Umbau der Wohnung und die Organisation benötigter sozialer Hilfsdienste geklärt hat, immer noch die im Alter zunehmende, große Gefahr der Vereinsamung. Versucht man, dieser durch Einzug in ein Projekt des Betreuten Wohnens zu begegnen, empfindet man seine dortige Umgebung vielleicht als Alten-Ghetto. Und im völlig frei nach eigenen Wünschen gestalteten Gemeinschaftlichen Wohnen wird es möglicherweise zur Last, dass man das gesamte Netz von Hilfsdiensten, die man im Alter benötigt, selbst knüpfen muss. Im Spannungsfeld zwischen unseren Wünschen und der Wirklichkeit gibt es eben keine ideale Wohnform, sondern nur ein Optimum des Möglichen.

Was wir dann für uns selbst gefunden haben, beschreibe ich in einem weiteren Beitrag, den ich "Lebensräume" genannt habe.

(eingestellt am: 13.08.2009)

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Rolf

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