Thema: Erinnern
Ein Zufall beim Werken überwindet eine große Zeitspanne und führt zur Erinnerung an einen lieben Menschen
Diese ‚Begegnung’ kam ganz überraschend auf mich zu und hat mich vielleicht gerade deshalb so gefreut. Das kam so:
Beim Reparieren eines älteren Laptops suchte ich nach einem Stück Flacheisen zur Stabilisierung der verbogenen Display-Rückwand aus Kunststoff. Da ich meistens mit Holz und nicht mit Metall arbeite, war die Suche bei den vielen Schrauben- und Nagelkästen zuerst erfolglos.
Bis ich unten in einer Werkbank-Ablage doch noch fand, was für diesen Zweck in Länge, Stärke und der Bohrung an beiden Enden wie geschaffen schien:
Ein altes Sägeblatt für eine Eisensäge, das sich mit etwas Schleifpapier und Rostlöse-Spray gut reinigen und polieren ließ, wobei auch der eingestanzte Schriftzug wieder sichtbar wurde:
‚KABEL-SÄGE; DRGM’ war auf dem einen und ‚KÜSTER’ auf dem anderen Ende des Sägeblattes zu lesen. Da wurde mir klar: Ich hatte eines der WERKZEUGE in der Hand, mit denen vor dem zweiten Weltkrieg mein Großvater Gustav Küster als selbständiger Kaufmann im Raum Solingen - Remscheid – Radevormwald gehandelt hatte!
Über dessen ältesten Sohn Johannes, den ich vor seinem Tod 1980 noch besucht und hin und wieder auch betreut hatte, waren die Sägeblätter (es gab noch ein zweites) zusammen mit anderem ‚Kram‘ auf mich gekommen und im Werkzeugkeller in Vergessenheit geraten.
Für den Laptop fand sich eine andere Lösung; die Sägeblätter aber wurden sorgfältig auf einer Holzleiste befestigt und als Erinnerungsstück in meinem Arbeitszimmer aufgehängt: Zum Andenken an einen Opa, der bisher nur in drei Momentaufnahmen:
(das ‚Karussellfahren’ auf seinem heraus drehbaren Büro-Hocker; das -für 1946 ungewöhnliche- Geschenk eines weißen Schweizer Zuckerstückchens, sowie schließlich 1947, als beklemmendes Bild, als schwerkranker alter Mann kurz vor seinem Tod )
im Gedächtnis des Vierjährigen verankert wurde.
‚Opa Küster‘ war für mich die einzige, viel zu kurze Opa-Erfahrung, - gerade auch weil der andere Großvater schon 1936 bei einem Lkw-Unfall in Ostpreußen ums Leben gekommen war.
Heute bin ich es nun, der versucht, als Opa mit den drei Enkelsöhnen Leo, Pietro und Bruno so viel Zeit wie möglich zu verbringen. Denn Enkelkinder brauchen ihre Großeltern,- jetzt für gemeinsame Unternehmungen, und später einmal für
-hoffentlich gute- ERINNERUNGEN!
Daran erinnerte mich die „ Küster-Säge“. –
(eingestellt am: 21.06.2011)
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1 Kommentar zum Beitrag
Hallo Herr stier43,
das ist ja eine interessante und nachdenkenswerte Familiengeschichte! Es ist schön, dass Sie die von Ihnen vermisste Opa-Zeit nun mit Ihren Enkeln ausleben werden. Ich wünsche Ihnen, dass Sie noch sehr lange Freude mit Ihren Enkeln haben werden.
Herzliche Grüße, Lilli