Thema: Anders lieben
Kirchentag und Homosexualität
War’s das schon? Diese Frage stellt sich für uns nach tollen Kirchentags-Tagen in Dresden, bei denen das Thema Homosexualität erstaunlich präsent war.
Es fing allerdings mit einer herben Abweisung an. Wenige Wochen vor Beginn des großen Ereignisses flog das Themenzentrum „Homosexualität und Kirche“ aus einer Mittelschule im Stadtteil Plauen, weil das Schulverwaltungsamt entschied, dass „keine christlichen Veranstaltungen in städtischen Schulgebäuden“ stattfinden dürfen. Hatte das wirklich nichts mit dem Thema zu tun?? Es gab nämlich nur dieses Themenzentrum, das in einer Schule Veranstaltungen geplant hatte.
Nach langem Suchen wurde in letzter Minute ein neues Quartier gefunden: der „Gerber-Bau“ der Technischen Universität. Dort fand schließlich eine Fülle von Vorträgen, Workshops und anderen Veranstaltungen mit zahlreichen Teilnehmern statt.
Prominente Gäste waren da, wie z.B. Volker Beck, menschenrechtspolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen und Pierre Stutz, katholischer Theologe und Autor aus der Schweiz. Ein besonderer Höhepunkt war eine Doppelhochzeit: ein lesbisches und ein schwules Paar wurden eingesegnet. Das ist in der sächsischen Landkirche noch eine Unmöglichkeit, möglich war es hier - nicht in einer Kirche, sondern auf „exterritorialem“ Gebiet.
Auch außerhalb des Themenzentrums stand das Thema Homosexualität auf dem Programm. Die Heinrich Böll-Stiftung hatte zu einer Podiumsveranstaltung unter dem Thema „Homosexualität und Kirche - Diskriminierung im Namen Gottes?“ in das Kleine Haus eingeladen. Hier wurde vor allem über die starre Haltung der Ev.-Luh. Landeskirche Sachsens diskutiert, die noch immer keine Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften zulässt und Pfarrern und anderen gleichgeschlechtlichen Mitarbeitern verbietet, das staatliche Partnerschaftsgesetz in Anspruch zu nehmen.
Selbst bei Veranstaltungen zu ganz anderen Themen kam die Homosexualität ins Gespräch. Wen die Frage „Sind Evangelikale Fundamentalisten?“ in der Versöhnungskirche interessierte, bekam fast den Eindruck, Homosexualität sei das eigentliche Thema. Jürgen Werth, Vorsitzender der Deutschen Ev. Allianz aus Wetzlar, entschuldigte sich in diesem Zusammenhang für das Unrecht, das Homosexuellen angetan worden ist - eine fadenscheinige Geste eines Evangelikalen, die sich nur auf die Form des Umgangs mit gleichgeschlechtlichen Menschen bezog, aber kein Nachdenken über die ablehnende Haltung erkennen ließ.
Bemerkenswert ist schließlich die Tatsache, dass der Kirchentag zum ersten Mal offiziell zu einer entsprechenden Veranstaltung einlud. Im Kulturpalast wurde unter dem Thema „... und das ist auch gut so!“ über lesbisch-schwule Lebensformen in der Kirche diskutiert. Im Podium saßen u.a. Maria Jepsen, Bischöfin i.R. und Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin. Hier wurde Verwunderung darüber ausgesprochen, dass christliche Kirchen, die ansonsten als menschenfreundlich und sozial gelten, sich im Umgang mit Lesben und Schwulen inhuman und herabwürdigend verhalten.
Diese Veranstaltung wandte sich mit einen Aufruf an die Verantwortlichen in den Kirchen, mehr Raum für gleichgeschlechtliche Lebensformen zu schaffen. Dieser Resolution stimmten mehr als 500 Veranstaltungsteilnehmer zu.
Es ist ein Hoffnungszeichen, dass dem Thema Homosexualität soviel Aufmerksamkeit gewidmet wurde. War’s das schon? Wir hoffen und wünschen uns, dass es ein Zeichen dafür ist, dass in diese Frage Bewegung gekommen ist - gerade in Dresden!
(eingestellt am: 05.06.2011)
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1 Kommentar zum Beitrag
Das waren die Worte, die wir in der Jungschar nach dem Krieg uns zugeworfen haben, wohlgemerkt noch als unschuldige Knaben.
Dieses "Mutig voran!" möchte ich euch Aktiven in der Schwulenbewegung zurufen.
Danke für den ausführlichen Bericht mit allen Licht- und Schattenseiten. Ich konnte leider nicht in Dresden dabeisein.