Thema: Erinnern
Die Nachricht ist heute in vielen Medien zu lesen und zu hören. Eva Strittmatter ist tot. Im Alter von 80 Jahren ist sie in einem Krankenhaus verstorben. Tausende Menschen werden sie vermissen. Ihre Werke aber leben weiter. Versuch eines kleinen Nachrufes.
Eva Strittmatter war nicht nur die Frau des bekannteren Erwin Strittmatter. Sie war schon eine eigene Persönlichkeit und machte auch mit ihren vielen Gedichten und anderen Veröffentlichungen auf sich aufmerksam.
Als Mitglied des "Erwin Strittmatter Vereins" habe ich auch über Eva Strittmatter viel erfahren, von ihrem Leben , von ihren Werken und nach dem Tod von ihrem Mann ,auch neue Einsichten in das gemeinsame Leben bekommen.
Zum Beispiel auch durch das Buch von I.Gutschke zu Eva Strittmatter Titel : Leib und Leben - erchienen im Verlag Das Neue Berlin 2008
Ihre Gedichte sind zeitlos, viele befassen sich mit der Natur, mit dem Dasein, schon der Titel vom Gedichtband "Die eine Rose überwältigt alles " macht neugierig -schauen Sie doch mal rein.Oder in einen der anderen schönen Bände.
Zum Abschied von Eva Strittmatter habe ich ein Gedicht ausgewählt und mit Fotos von mir versehen.
Danke für viele schöne Leseerlebnisse.
"Werte
Die guten Dinde des Lebens sind alle kostenlos:
Die Luft, das Wasser, die Liebe.
Wie machen wir das bloß,
Das Leben für teuer zu halten,
wenn die Hauptsachen kostenlos sind?
Das kommt vom zu frühen Erkalten.
Wir genossen nur damals als Kind
Die Luft nach ihrem Werte
Und Wasser als Lebensgewinn,
Und Liebe, die nbegehrte,
Nahmen wir herzleicht hin.
Nur selten noch atmen wir richtig
Und atmen Zeit mit ein,
Und leben eilig und wichtig
Und trinken statt Wasser Wein.
Und aus der Liebe machen
Wir eine Pflicht und Last.
Und das Leben kommt dem zu teuer,
der es zu billig auffasst." (eingestellt am: 05.01.2011)
Diesen Beitrag per E-Mail weiterempfehlen.
Empfehlung schreibenPortal aus und geben gern Rat?
Dann werden Sie Lotse.
Alles zum Mitmachen!
Erfahrungen teilen. Menschen kennenlernen, Füreinander da sein. Jetzt kostenlos anmelden und teilnehmen



3 Kommentare zum Beitrag
Liebe Paula,
die Anrede ist für mich kein Problem. Ich freue mich, daß auch mein ausgesuchtes Gedicht Freude gemacht hat. Weiterhin viel Entdecken und Wiederfinden in dem dicken Gedichtband!
Beate
Liebe Mitstreiter, leider komme ich erst jetzt dazu, mich zu beiden tollen Gedichten zu äußern und Euch zu danken. Sie sind sehr schön - stimmen nachdenklich und machen auch wieder froh. Ihr habt mir eine große Freude bereitet. Ich las sie schon vor Tagen, und war sehr ergriffen. Nun "lebt" alles wieder auf, denn ich habe am Wochenende "Sämtliche Gedichte" von Eva Strittmatter geschenkt bekommen. Meine Freude war natürlich riesig. Habe Eure beiden Gedichte - im über 800 seitigen Werk! - gesucht und gefunden.
PS. liebe cbeate, meine doch sehr persönliche Anrede soll nicht falsch verstanden werden, aber Gerd ist mir gut bekannt
Vielen Dank für diesen sehr angemessenen Nachruf mit den von Ihnen ausgewählten Fotos und dem Gedicht. Ich hatte mich im Studium sehr viel mit Ost-Westliteratur befasst (eine Frage, ob es diese gäbe oder gab - verschwindet heute immer mehr) und mit Lyrik sowieso. Daher möchte auch ich Eva Strittmatter mit einem Gedicht gedenken - diesem entstammt der Titel ihres ersten Gedichtbandes von 1973. (Ich mach ein Lied aus Stille)
Vor einem Winter
Ich mach ein Lied aus Stille
und aus Septemberlicht.
Das Schweigen einer Grille
geht ein in mein Gedicht.
Der See und die Libelle.
Das Vogelbeerenrot.
Die Arbeit einer Quelle.
Der Herbstgeruch von Brot.
Der Bäume Tod und Träne.
Der schwarze Rabenschrei.
Der Orgelflug der Schwäne.
Was es auch immer sei,
das über uns die Räume
aufreißt und riesig macht
und fällt in unsre Träume
in einer finstren Nacht.
Ich mach ein Lied aus Stille.
Ich mach ein Lied aus Licht.
So geh ich in den Winter.
Und so vergeh ich nicht.