Thema: Glauben Männer anders?
Pastor Dr. Eberhard Blanke, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Sprengel Hildesheim-Göttingen, berichtet über den zweiten Landesmännertag in der hannoverschen Landeskirche. Hier folgt eine Zusammenfassung seines Berichtes:
Aus allen Teilen der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers kamen 380 Männer in Hildesheim zusammen – zum zweiten landesweiten Männertag. Derzeitiger Landesmännerpastor ist Henning Busse. Die Vorbereitungen vor Ort lagen bei Horst Büshel, der für die Männerarbeit im Sprengel Hildesheim-Göttingen zuständig ist. Die Männerarbeit der Landeskirche thematisiert Fragen nach der gesellschaftlichen, politischen und familiären Rolle des Mannes. Der erste Männertag fand vor zwei Jahren statt, der nächste folgt 2012.
Normalerweise geben sich Männer als Siegertypen. Was aber ist, wenn sie Niederlagen erleben? So lautete der rote Faden der Podiumsdiskussion beim Landesmännertag in der Michaeliskirche. Wolfgang Thierse, Vizepräsident des Deutschen Bundestages, schilderte seine Reaktion, als er aufgrund von Denunziation seine Arbeit im Kulturministerium der ehemaligen DDR verloren hatte. „Im Moment tiefster Verunsicherung muss man etwas Verrücktes tun.“ Er habe sich ein Gemälde gekauft, das er vorher von Amtswegen beseitigen sollte. Ein solcher Aufbruch sei aber nur möglich, wenn man gehalten werde. „Gott hat mit jedem Menschen den gleichen Vertrag gemacht. Der Kern der frohen Botschaft ist, dass wir als Menschen Gottes Kinder sind.“
Der Göttinger Neurobiologe Professor Gerald Hüther warb dafür, sich in jedem Lebensalter die kindliche Begeisterung zu erhalten. So könne ein Achtzigjähriger ohne Probleme Chinesisch lernen, wenn er in eine deutlich jüngere, 65-jährige Chinesin verliebt sei und mit ihr nach Mittelchina zurückgehen würde. Es sei an der Zeit, über Männer zu sprechen, die Männer auf den Weg gebracht hätten. Hier könne die Kirche einen Beitrag leisten. „Die Kirche hat die Aufgabe, Menschen einzuladen und zu inspirieren“, sie könne zeigen, wie gute Gemeinschaft funktioniere.
Für den Berliner Politikwissenschaftler Dr. Peter Döge sei Jesus ein gutes Vorbild für Männer, von dem man Mut und Stärke lernen könne. „Wenn ein Mann sich traut, Elternzeit zu nehmen, dann folgen drei andere nach.“ Männer seien längst im Aufbruch. Er persönlich sei dazu erzogen worden, Verantwortung zu übernehmen. Daher kritisiere er die Männer in den Vorstandsetagen der Banken, die jetzt angesichts der selbstgemachten Krise keine Verantwortung übernähmen, „sondern nach Papa Staat rufen“.
Landessuperintendent Eckhard Gorka sprach sich dafür aus, sowohl die Starken als auch die Schwachen mitzunehmen. Vorbild könne auch jemand sein, der weder mutig aufbreche noch tapfer standhielte. Der wesentliche Aspekt sei die Ich-Stärkung. In eigenen Krisen sei er selbst von vielen Menschen begleitet worden, „was allerdings erst in der Rückschau deutlich wurde“. Eberhard Blanke
(eingestellt am: 17.06.2010)
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